Es war unfassbar: Paul ging von uns
Gedenken an Karsten ″Paul″ den Bruder , Vater, Ex-Mann, Freund ...



Paul Baumann - wie ihn viele kannten,
Karsten Faulhaber oder ganz offiziell
Karsten Eckhard Faulhaber geb. Fieberg


Das kleine
• guestbook for Paul •
ist geschlossen.
Alle, die ihm was schreiben und mitteilen wollten, haben dies getan.
Ich wollte etwas schreiben, doch mir fehlen die Worte.
Ich wollte etwas zeichnen, doch die Leinwand bleibt leer.
Aber vielleicht trifft es das am besten, denn was du zurücklässt ist eine Leere, ein Loch, das Gefühl, dass etwas Wesentliches fehlt.
Und was ist
ein Gedicht ohne Worte,
ein Bild ohne Farbe,
mein Leben ohne dich.

Lucie
Abschied von ″Paul″ - Karsten Faulhaber
8. Februar 2008 auf′m Friedhof St. Andreas Marcus, Konni-Wolf-Str.
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Paul so hieß er bei allen Freunden und das schon seit so vielen Jahren, dass kaum jemand wußte, dass er eigentlich Karsten Faulhaber hieß.
Und Paul paßte auch so viel besser zu ihm, zu diesem netten tollen Typ, der von allen geschätzt und gemocht wurde, der immer die besten Einfälle hatte, eine begnadete Phantasie und eine Kreativität, die kaum zu toppen war.

′Hans Dampf in allen Gassen′, Musikliebhaber aktiv und passiv, Puppenspieler, Bastler und generöser Handwerker, immer wieder aufbrechen zu neuen Ufern, nur nicht den Alltagstakt im Alltagstrott erleben und doch immer bei aller Umtriebigkeit dieses Stück Verlässlichkeit, dieses ′Da Sein′, wenn man ihn brauchte mit seiner Wärme, mit Nähe, mit guten Ratschlägen und mit seinem Humor der den Regen von dunklen Trauerbrillen wischen konnte, damit die Welt wieder ein wenig rosa aussah.
Nur für sich selber, da konnte er schlecht sorgen, da ging er oft nicht gut mit sich um, dann hatte er sowas von der melancholischen Ausstrahlung eines Harald Juhnke, dem man alles verzeiht und dem ein jeder gerne helfen würde, wenn er es denn zuließe! Das so anders leben, sich nicht an- und einpassen wollen, hatte im Laufe der Jahre seinen Tribut gefordert und Paul mehr und mehr ins Aus gedrängt.

Es war immer so ein bißchen wie ′Russisch Roulette spielen′ - dieses Denken, alles kontrollieren, alles beherrschen zu können. Um so trauriger war dann die Erkenntnis für ihn und seine Lieben, dass das Leben ihm ein Stück aus den Händen geglitten war und zeitweilig von ′Flasche zu Flasche′ stattfand.

Anfangs standen ihm seine Frau Petra, die Familie, die Freunde noch bei, wollten ihm helfen. Dann aber, mit der Erkenntnis, dass er die ihm gereichten Hände gar nicht nehmen wollte, zog ein jeder sich ein Stück zurück.
Paul lebte weiterhin eigene Vorstellungen von Freiheit und Freisein.

Eine bittere Freiheit? - Ein elendes Dasein?

Aus bürgerlicher Sicht ja, aber, ob ein Leben in dieser Konsequenz nicht auch Seiten haben kann, in denen Glücksmomente und Zufriedenheit auf eine ganz eigene Art Platz haben können, kann nur der beurteilen, der dieses leben gelebt hat!
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Sicher, er hatte viel verloren, - seine Lieben, seine Freunde und dann auch seine Gesundheit; aber er ist sich auf eine ganz eigene Art treu geblieben und all das, was alle an ihn liebten und schätzten, hat er sich trotz allem bis zum Schluß bewahrt, - und darum sind sie ja auch heute hier - um diesen liebenswerten Menschen zu ehren zu würdigen und ihm auch ein Dankeschön zu sagen, für all das, was er Ihnen in ′Guten Zeiten′ gegeben hat.

In den letzten Jahren ist es ruhiger um Paul geworden.
Eingeschränkt in seiner Mobilität durch eine Beinamputation und mit dem Ausbruch einer Krebserkrankung hat er wohl noch einmal inne gehalten, war nachdenklicher geworden und mit dem Umzug in ein betreutes Wohnen hatte sich auch sein Alltag verändert.
In dieser Umgebung fand er sich gut zurecht, fühlte sich sicher und die Menschen, mit denen er die Stunden seiner Tage teilte, die Tage, die nun ein Ende und einen Anfang hatten, gaben ihm Vertrautheit und Geborgenheit, was er durchaus genießen konnte.
Aus dieses Sicherheit erstarkte in ihm die Kraft, für seine Lieben wieder Ansprechpartner und Ratgeber zu sein. und auch sein ihm eigener vertrauter Humor, wenn er zum Beispiel seinen Töchtern mit Augenzwinkern erklärte: ... dass sein Bein bis zu seinem 70-sten Lebensjahr wieder nachgewachsen sei!
Und doch, auch wenn er es sich nicht anmerken lassen wollte, spürte er vielleicht die Bedrohlichkeit seiner Krankheit und das ließ sich auch nicht mehr einfach so abschütteln und verdrängen, das machte ihn verletzlicher.
Darum freute er sich umso, dass die Familie mit ihm den 50-sten Geburtstag in ausgelassener Fröhlichkeit feiern wollte, mit allem was dazugehört, Musik, gutes Essen, und sogar eine liebevoll gestaltete Geburtstagszeitung mit einer unvergeßlichen Liebeserklärung seiner Tochter Luci, die ihnen allen sicher aus dem Herzen gesprochen ist und die sie hier noch einmal zum letzten Fest, dem Abschiedsfest für Paul, ihren Vater vortragen wird.
Nun hat der Tod sich am 11. Januar diesen Jahres eingemischt und der Zerrissenheit, die Paul gelebt hat und den gespaltenen Gefühlen seiner Töchter, seiner Geschwister, Familienangehörigen und Freunde ein Stück Frieden gegeben.
Was jetzt bleibt sind die Erinnerungen und es liegt in der Natur des Menschen, den ′Guten Zeiten′ der ′Ersten Platz′ einzuräumen.
Darum möchte ich Sie nun einladen, Ihre Erinnerung strahlen zu lassen, wie ein kleines Feuerwerk, mit funkeln, mit Sternen, mit knistern, auf dass sie sind, wie Paul im Leben war.
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Symbolisch für das Strahlen möchte ich mit Ihnen die Kerzen anzünden und Sie bitten, sie Paul hier vorn zur Seite zu stellen.
Dazu hören wir eine seiner Lieblingsmusiken.
...
Oscar Wilde schrieb in einem Aufsatz:
″Es kommt für jeden der Augenblick der Wahl und der Entscheidung, ob er sein eigenes Leben führen will, ein höchst persönliches Leben in tiefster Fülle oder ob er sich zu jenem falschen, seichten Dasein entschließen soll, das die Heuchelei der Welt von ihm begehrt.″
Paul entschied sich für ein höchstpersönliches Leben, das am 20. Oktober 1956 in Oelsnitz im Vogtland seinen Anfang nahm und er hat - aus der Ferne betrachtet und bewundert - auf charmante, gewinnende Art und Weise seine Exaltiertheit ausgelebt.
Für die aber, die dieses Leben mit ihm teilten, war das nicht immer einfach.
Und doch stand der Zauber und die Wärme die Paul verströmte über allem und manch geübter Widerstand zerbrach ganz einfach an dieser ihm eigenen Unbekümmertheit.
So vieles drängt sich in den Sinn, so viele Bilder, so viele Episoden, so viele Erlebnisse spiegeln sich im Angesicht des endgültigen Abschieds mit einem Mal sozusagen überlebensgroß - doch nun ist jeder Blick ein Rückblick!
Aber im Rückblick wird aufleuchten, wie gern Paul gelebt hat; wie liebenswert, wie gutmütig, großzügig und tolerant er war.
Das fing schon in Kindertagen an:
Da war er für die Geschwister, den Bruder Axel und die Schwester Ute, der bewunderte, mutige und lebensfrohe Lausbub, immer zu Streichen aufgelegt, immer mit viel Phantasie ausgestattet.
Dabei war der ′Leuchtmantel′, den er da um seine Schultern gelegt hatte und der sein ganz weiches, verletzliches Inneres verbarg, kein so freiwillig gewählter Begleiter.
Die Kindertage mit einem schwierigen Vater waren keine leichten und so hielt Karsten, der da wohl schon längst Paul hieß, es für seine Aufgabe, stets die Balance zwischen Unbeschwertheit und Leichtigkeit des Kindseins und der Strenge im Elternhaus zu halten. Keine so leichte Aufgabe, aber es hat sich gelohnt, denn Axel und Ute erinnern sich liebevoll an die Zeit mit dem großen Bruder.
Da gibt es in der Erinnerung von Axel den Erfinder der Fahrradbremsenpfeife, die Paul mit Teilen der Latschenbremse eines Fahrrads eines Schwanenfederkiels und noch mehreren geheimnisvollen Teilen gebastelt hatte, um Axel das Rauchen von Majoran beizubringen. Da gibt es die Erinnerungen von Ute an den großen Bruder, der sie immer beschützt hat, für sie da war, ihr bei den Hausaufgaben half und die Zwistigkeiten mit dem Bruder Axel stets in Nichts auflöste.
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Aufleuchten wird auch, wie gern Paul unkonventionellen Wünschen und Einfällen nachgab, und da hatte vieles Platz.
In der Jugendzeit das Zeiten vorm Haus, mit Axel auf der großen Wiese, genauso wie im Erwachsenenalter als diese Wiese just zum jährlichen ′Drachensteigenlassenfestplatz′ umgewandelt wurde und an 3 Tagen im Jahr das Drachenfest gefeiert wurde:
am 18. Oktober ′Faules′ Geburtstag, am 19. Oktober dem späteren Hochzeitstag von Paul und Petra genannt Faule und geendet hat es mit Pauls Geburtstag am 20. Oktober.

Mit ihm in seiner Traumwelt unterwegs zu sein, mit seiner Begeisterung für Musik, für alles künstlerische, das war immer ein bisschen so, als würde man Peter Pan begleiten, den Jungen aus dem Märchen, der nie erwachsen werden wollte.

Und dieser Charme hatte auch Petra Faulhaber schon in der Schulzeit verzaubert. Petra und Paul waren bald ein Paar, gerade einmal den Kinderschuhen entwachsen. Trotz räumlicher Trennung, durch Armeezeit von Paul, Studium und dem Umzug nach Berlin verloren die beiden sich nicht aus den Augen und am 19. Oktober 1977 wurde aus dem Liebespaar ein Ehepaar, ganz bürgerlich mit Polterabend und allem drum und dran.

Der Start in das Eheleben und wie es weiterging, war durchaus nicht so ganz der bürgerlichen Norm entsprechend. Immer war das Leben mit Paul ein bißchen atemlos, ein bißchen besonders und es machte Spaß und Freude an seiner Seite zu sein.
1979 meldet sich der erste Nachwuchs zu Wort. Jenny erblickte das Licht der Welt und Paul ist ein liebevoller ′kindverrückter′ Vater und als 1984 Tochter Luci ankommt, ist das Glück perfekt.

Da leuchtet in der Erinnerung für Sie, liebe Jenny, liebe Luci, die ganz besonders innige Beziehung auf, die Sie mit Ihrem Vater verband, ungewöhnlich und facettenreich; zugewandt und liebevoll, so hat er ihnen die Welt erklärt und Ihr Erwachsenwerden begleitet. Immer waren auch die Freunde seiner Töchter willkommen und dann konnte Paul aufdrehen, war Mittelpunkt und alle beneideten Luci und Jenny glühend um den tollen Vater.

Eine Zeitlang war das Puppenspieltheater im Hause Faulhaber die große Leidenschaft.
Mit Freunden wurde gemeinsam das Theater und die Puppen gebastelt und Petra war dann die Drehbuchautorin und dachte sich die schönsten Geschichten aus.
Dann ging es auf Tournee durch Kindergärten, Krankenhäuser, Betriebe der Republik und auch zu den Festen wurden die ′Faulschen Stücke′ aufgeführt.
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Jenny und Luci waren immer mit von der Partie, anfangs noch als Zuschauer, später hatten auch sie kleine Rollen.
In den Ferien ging es meist an die Ostsee, oft nach Middelhagen auf Rügen, und immer waren Faulhaber′s eingebettet im Kreis der lieben Freunde, die Paul um sich versammelte und mit denen er gern zusammen war. Da wurde ausgelassen gefeiert, Musik gemacht und Pläne geschmiedet für das nächste Fest des politischen Liedes, bei dem Paul nie fehlen durfte, als Helfer, beim Bühnenauf und -abbau und manchmal kochte er, natürlich ganz kreativ, für die Künstler.

So war das Leben von Paul lange Jahre auch immer ein Stück gelebter Traum, neben seiner Berufstätigkeit als Mechaniker, aus dem er nur manchmal erwachte, dann, wenn es ganz besonders schwierig für ihn wurde.
Ab und an nahm das reale Leben in seinem Alltag Platz, dann drängte es sich mit aller Wucht in seine Träume, mit all seinen Schwierigkeiten, der fortschreitenden Krankheit und all den Traurigkeiten darüber, dass ihn das Glück und seine Lieben zu verlassen schienen. Dann war immer wieder die Musik sein Trost, bis zum Schluß!
Und so wird auch in ihrer Erinnerung aufleuchten, dass Paul trotz seiner schweren Krankheiten in den letzten Jahren, und auch mit der Tatsache, viel verloren zu haben im Laufe seines Lebens, immer wieder ein Stück Lebensmut bewies.
Auch da war es die Lust am Dasein, die ihn erfreute und auch das Wissen um seine Wegbegleiter an seiner Seite: die Töchter Jenny und Luci, die Geschwister Axel und Ute, ja auch seine von ihm längst getrennt lebende Petra und die Menschen, die ihn in seiner neuen Umgebung im Haus Theresa lieb gewonnen hatten.
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Verklärt gar dieses sanfte Erinnern ein Stück die Wahrheit? Anders gefragt: gibt es denn wirklich nur eine einzige Wahrheit?
So wird sich im Nachhinein manches sanfter in die Erinnerung bringen, als es in Wirklichkeit erlebt wurde.
Ich denke, das kann ein Jeder von Ihnen, mit einem klaren Nein beantworten.
Jeder von Ihnen weiß eine Vielzahl von Erlebnissen, Eigenschaften, Erfahrungen zu berichten, die Ihn an Paul, an Karsten Faulhaber erinnern werden. Sie alle kennen ihn, wissen um seine Liebenswürdigkeiten ebenso wie um sein Eigenheiten und auch Eigensinnigkeiten.
Sie kennen seine Lebensstationen; wissen, was ihm im Leben wichtig war, was ihm Freude bereitet, aber auch, was ihn verletzt und bewegt hat, auch wenn Sie sich ganz unterschiedlich erinnern.

Und so, liebe Jenny, liebe Luci, liebe Familienangehörige und Freunde schaut ein Jeder von Ihnen in einer besonderen Weise, auf eine besondere Bindung, in einer besonderen Zeit zurück und nichts wird im Maß der Jahre oder Monate gemessen, sondern immer am Empfinden des Erlebten und Erfahrenen.

So vieles müßte und könnte noch gesagt werden, um all das Erlebte, die Wahrheiten die ein jeder von Ihnen empfindet aufleuchten zu lassen. Aber die Zeit, die wir heute hier haben, würde bei weitem nicht ausreichen.
Es ist nun an Ihnen, Paul mit all seinem Sein, seinem Leben, das immer ein bisschen auf der Überholspur gelebt wurde, in Ihren Herzen und Gedanken zu bewahren und ich wünsche Ihnen, dass Ihre Erinnerungen an den Vater, den Liebsten und Ehemann, den Bruder, Verwandten und Freund der Ihrem Leben so viel Lebendigkeit vorgelebt hat, Ihnen Freude schenken möge.

Das wäre sicher auch im Sinne vor Paul!